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Die Finanzwissenschaft

Die Finanzwissenschaft ist eine Analyse der Instrumente des Staates und der Menschen, die sie für ihre Nutzenmaximierung benutzen. Die Finanzwissenschaft ist positiv, d.h. sie ist beschreibend und erklärend.

Als Vorläufer der Finanzwissenschaft sind im wesentlichen die Kameralisten (Vertreter: v.SONNENFELS, BECHER) und die Klassiker der Nationalökonomie (hier: SMITH, RICARDO, MILL) zu nennen. Der Kameralismus (17./18. Jh.) ist die deutsche Richtung des westeuropäischen Merkantilismus und kann als "die Lehre vom fürstlichen Haushalt und der ertragsreichsten Gestaltung der Staatseinkünfte" definiert werden. Die Situation in Deutschland zu dieser Zeit kann wie folgt skizziert werden: Mit Beendigung des Dreißigjährigen Krieges entstand eine Vielzahl von kleinen Totalitärer Staaten, die von deutschen Fürsten regiert wurden. Diese fassten ihr Land als Unternehmen auf, mit dessen Hilfe sie versuchten ihr Einkommen zu maximieren. Der Verfassungsvertrag kann als einer der möglichen Gründe für die Entstehung eines Staates genannt werden.

Finanzpolitik kommt nicht nur durch Mehrheitsbeschluss, sondern durch Marktversagen zustande. Eines der wesentlichen Ziele der Nationalökonomie ist ein effiziente Ressourcenverwendung in der Volkswirtschaft (Aufteilung knapper Mittel auf die bereitzustellenden Güter - Allokationsfunktion). Generell sorgt der Marktmechanismus (ohne Staatseingriff) nur durch das dezentrale Handeln der Entscheidungseinheiten für eine effiziente Lösung.

Umverteilung kann als nicht dem Marktmechanismus unterliegende durch Staatsaktivität realisierte Umschichtung von Einkommen und Dienstleistungen und Gütern an die Subjekte einer Volkswirtschaft verstanden werden. Im Rahmen der paretianischen Wohlfahrtsökonomik wird ein derartiger Verteilungsaspekt vollkommen ausgeklammert, in dem eine Einkommensverteilung vorgegeben wird ohne zu beurteilen, ob eine solche richtig (im Sinne von Verteilungsgerechtigkeit) ist.

Es besteht eine Interdependenz zwischen privaten und öffentlichen Gütern. Zur bestmöglichen Konsumentenbefriedigung muss eine effiziente Ressourcenallokation gewährleistet sein. Wir gehen von einem allwissenden und wohlwollenden Diktator aus. Er hat vollständige Informationen über Ressourcen, Technologien und Präferenzen. Mit diesem Wissen soll er nun die Ressourcen effizient verwenden (3 Effizienzbedingungen, s.u.).

Die Budgetbestimmung ist ein politischer Prozess und kein Marktprozess. Wir gehen von den einzelnen Konsumenten aus, die Nutznießer der öffentlichen Güter sind. Durch die Übertragung von Ressourcen auf den öffentlichen Sektor reduziert sich der Konsum von privaten Gütern. Freiwillige Zahlungen und die Enthüllung von Präferenzen kommen, solange kein Ausschluss vorhanden ist und ein eigener Beitrag das Gesamtangebot nicht entscheidend beeinflusst, nicht vor (sogenanntes "free-rider- Problem").

Ziel ist es, die Staatsaktivität im Zeitverlauf zu beobachten und zu analysieren. Das WAGNER'sche Gesetz: Bei zunehmender Kultivierung steigt die volkswirtschaftliche Bedeutung des Staates überproportional. In der traditionellen Finanzpolitik beschäftigt man sich mit dem Ursache- Wirkungszusammenhang von Finanzpolitik und Staatsausgaben. Die neuere Finanzpolitik sieht die Staatsaktivität und deren Kosten als Ergebnis des politischen Prozesses an. Wie oben festgestellt, liefert der politische Prozess nicht immer pareto-optimale Ergebnisse. Die Messung der Staatsaktivität erfüllt dann die Kontrolle und bietet Vergleichsmöglichkeiten.

Gut 50% des Bruttosozialprodukts sind Staatsausgaben. Das reale Wachstum der Staatsausgaben für Güter und Dienstleistungen bezogen auf einen Zeitraum von 10 Jahren beträgt 2,1 %. Alle zehn Jahre nehmen die Transferzahlungen um 3,7 % im Durchschnitt zu. Die Gesamtausgabenquote wächst schneller als die Realausgabenquote, d.h. die Ausgaben für Transferleistungen nehmen schneller zu als die für Güter und Dienstleistungen. Es stellt sich die Frage: Wie kann man das Wachstum der Staatsausgaben erklären?

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